Endlose Wälder, rauschende Wasserfälle und eine Hochebene, die selbst im Hochsommer noch von Schneefeldern geprägt ist: Die Wildnisstraße (schwedisch: Vildmarksvägen) im Norden Schwedens ist der Traum eines jeden Roadtrip-Enthusiasten. Wer die Zivilisation hinter sich lassen und die raue, ungezähmte Natur Skandinaviens erleben möchte, findet hier sein perfektes Abenteuer.
Doch eine Reise auf dieser rund 500 Kilometer langen Route erfordert Vorbereitung. Da das Herzstück der Strecke über das geschützte Stekenjokk-Plateau führt, ist die Straße nicht das ganze Jahr über befahrbar. In diesem Guide erfährst du alles, was du für deine Routenplanung, die beste Reisezeit und unvergessliche Erlebnisse entlang der Wildnisstraße wissen musst.
Die Route im Überblick: Verlauf und Geografie
Die Wildnisstraße verbindet die Provinzen Jämtland und Västerbotten miteinander und führt bis nah an die norwegische Grenze heran. Sie gilt als eine der am höchsten gelegenen asphaltierten Straßen Schwedens.
- Start/Ziel: Strömsund (Jämtland) bis Vilhelmina (Västerbotten) – oder umgekehrt.
- Gesamtlänge: Ca. 500 Kilometer (inklusive der verbindenden Europastraße E45).
- Höchster Punkt: 876 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Stekenjokk-Plateau.
Streckenverlauf kompakt
Die Highlights entlang der Wildnisstraße
Die Strecke bietet eine enorme Dichte an Naturdenkmälern. Diese fünf Stopps dürfen auf keiner Bucket-List fehlen:
1. Das Stekenjokk-Plateau
Das unbestrittene Herzstück der Route. Die baumlose Hochebene bietet eine surreale, tundraähnliche Landschaft. Hier oben spürt man die arktische Wildnis hautnah. Da die Region ein wichtiges Brutgebiet für seltene Vögel und Kalbungsgebiet für die Rentiere der Samen ist, gelten hier strenge Schutzregeln.
2. Hällingsåfallet – Schwedens Antwort auf den Grand Canyon
Der Hällingsåfallet ist einer der beeindruckendsten Wasserfälle des Landes. Das Wasser stürzt hier 43 Meter tief in eine über 800 Meter lange Felsschlucht. Ein gut ausgebauter Wanderweg führt direkt an die Kante des Canyons, wo feiner Gischtnebel oft wunderschöne Regenbögen erzeugt.
| Wasserfall | Fallhöhe | Besonderheit |
|---|---|---|
| Hällingsåfallet | 43 Meter | Liegt in einem imposanten Canyon |
| Brakkåfallet | Mehrstufig | Bekannt aus den Astrid-Lindgren-Verfilmungen |
| Gaustafallet | Ca. 15 Meter | Direkt an der Straße, spektakuläre Felsformationen |
3. Das Kirchendorf Fatmomakke
Fatmomakke (Faepmie) ist das am besten erhaltene samische Kirchendorf Schwedens. Seit Jahrhunderten ist es ein zentraler Begegnungsort für das indigene Volk der Samen. Die traditionellen Katen (Goahte) und Holzhäuser können bei einem respektvollen Spaziergang besichtigt werden.
Buche jetzt und zahle später bei Booking.com!Die beste Reisezeit: Wann ist der Vildmarksvägen geöffnet?
Aufgrund der enormen Schneemengen im schwedischen Fjäll ist der spektakulärste Teil der Strecke – der Abschnitt über das Stekenjokk-Plateau zwischen Leipikvattnet und Klimpfjäll – im Winter komplett gesperrt.
- Öffnungszeitraum Stekenjokk: In der Regel vom 6. Juni bis zum 15. Oktober.
- Der Sommer-Hotspot (Juni – August): Perfekt für Wanderungen, Angeln und die Mitternachtssonne. Anfang Juni säumen oft noch meterhohe Schneewände die Straße.
- Der goldene Herbst (September): Die Landschaft verfärbt sich in intensive Rot- und Goldtöne (die schwedische Pracht-Herbstzeit oder Indiska sommaren). Die Temperaturen sinken jedoch spürbar.
Wichtiger Hinweis zum Naturschutz: Vom 6. Juni bis zum 10. Juli herrscht auf dem Stekenjokk-Plateau ein striktes Betretungsverbot abseits der Straße, um die dortigen Vogelarten während der Brutzeit nicht zu stören.
Praktische Tipps für deinen Roadtrip
Damit das Abenteuer Wildnisstraße reibungslos verläuft, sollten Reisende einige Besonderheiten beachten.
Fortbewegung und Fahrzeugwahl
Die Wildnisstraße ist durchgehend asphaltiert und kann problemlos mit normalen PKW, Wohnmobilen (Plattenbussen) oder Motorrädern befahren werden. Wohngespanne sollten aufgrund einiger enger Kurven und Steigungen defensiv fahren.
- Tanken & Laden: Die Tankstellennetzdichte ist gering. Nutze Gelegenheiten in Strömsund, Gäddede, Klimpfjäll und Vilhelmina. Elektroautofahrer sollten Routenplaner-Apps vorab auf Ladesäulen prüfen.
- Wildwechsel: Die Region ist Heimat tausender Rentiere und Elche. Besonders in den Dämmerungsstunden ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Rentiere nutzen die Straße gerne als bequemen Wanderweg – hier gilt: Ruhe bewahren und warten.
Wildcampen und das Jedermannsrecht
Das schwedische Jedermannsrecht (Allemansrätten) erlaubt das freie Stehen in der Natur für eine Nacht. Allerdings gibt es entlang der Wildnisstraße strenge lokale Einschränkungen:
- In Naturschutzgebieten und auf dem Stekenjokk-Plateau ist das Freistehen mit motorisierten Fahrzeugen oft explizit verboten.
- Nutze ausgewiesene Naturcampingplätze (Naturcamping), um die Umwelt zu schonen und Sanitäranlagen zu nutzen.
Häufige Fehler, die du vermeiden solltest
- Zu wenig Zeit einplanen: Wer die 500 Kilometer an einem Tag "durchreißt", verpasst das Beste. Drei bis fünf Tage sind ideal, um Wanderungen zu unternehmen und die Natur zu genießen.
- Keinen Mückenschutz einpacken: Nahe an Gewässern können die skandinavischen Mücken im Hochsommer zur Plage werden. Ein hochdosiertes Mückenspray (z.B. mit dem Wirkstoff DEET) gehört ins Handgepäck.
- Wetterumschwünge unterschätzen: Selbst im Juli kann das Thermometer auf der Hochebene auf den Gefrierpunkt fallen. Das Zwiebelprinzip bei der Kleidung ist Pflicht.
Häufige Fragen zu Wildnisstraße (FAQ)
Wann öffnet die Wildnisstraße in Schweden?
Der am höchsten gelegene Abschnitt über das Stekenjokk-Plateau öffnet traditionell am 6. Juni und schließt Mitte Oktober, sobald der erste schwere Schneefall einsetzt. Die restlichen Abschnitte der Straße sind das ganze Jahr über befahrbar.
Kann man die Wildnisstraße mit dem Wohnmobil befahren?
Ja, die gesamte Route ist asphaltiert und für herkömmliche Wohnmobile und Wohnwagen geeignet. Fahrer von sehr großen Gespannen sollten jedoch vorausschauend fahren, da die Straßen teilweise schmal sein können.
Wo darf man an der Wildnisstraße campen?
Das Wildcampen mit dem Auto oder Wohnmobil ist auf dem Stekenjokk-Plateau und in ausgewiesenen Naturschutzgebieten verboten. Es gibt jedoch zahlreiche wunderschöne Naturcampingplätze und offizielle Stellplätze entlang der Route.
Gibt es auf der Wildnisstraße Tankstellen?
Ja, allerdings sind die Abstände groß. Tankmöglichkeiten gibt es in den größeren Orten wie Strömsund, Gäddede, Klimpfjäll, Saxnäs und Vilhelmina. Es wird empfohlen, den Tank nie unter ein Viertel sinken zu lassen.
Wie lang sollte man für den Vildmarksvägen einplanen?
Für die reine Fahrtstrecke benötigt man etwa zwei Tage. Um die Sehenswürdigkeiten wie den Hällingsåfallet zu besichtigen und Wanderungen zu unternehmen, sind 3 bis 5 Tage ideal.
Trifft man auf der Wildnisstraße auf Rentiere?
Ja, die Wahrscheinlichkeit, Rentierherden direkt auf oder neben der Straße zu sehen, ist besonders im Bereich des Stekenjokk-Plateaus extrem hoch. Die Tiere gehören den samischen Dorfgemeinschaften.
Ist die Wildnisstraße mautpflichtig?
Nein, die Nutzung der gesamten schwedischen Wildnisstraße ist komplett kostenlos. Es fallen keine Mautgebühren an.
Welche Kleidung wird für die Reise benötigt?
Da das Wetter im Fjäll schnell umschlagen kann, ist wetterfeste Kleidung notwendig. Auch im Sommer sollten wind- und wasserdichte Jacken, warme Pullover sowie feste Wanderschuhe im Gepäck sein.
Fazit
Die Wildnisstraße ist kein klassischer Urlaubsort, sondern eine Erfahrung. Sie verbindet die Zugänglichkeit eines Roadtrips mit der Einsamkeit der arktischen Tundra.
Deine nächsten Schritte für die Planung:
- Reisezeit festlegen: Wenn du Schneewände sehen willst, peile Mitte Juni an. Für stabiles Wanderwetter wähle den Juli oder August.
- Fahrzeug prüfen: Stelle sicher, dass Bremsen und Reifen für bergige Strecken optimiert sind.
- Respektvoll reisen: Hinterlasse keinen Müll, halte Abstand zu den Rentieren und respektiere die Kultur der Samen.