Erst wird das Rauschen lauter, dann die Luft kühler und feuchter, und plötzlich öffnet sich der Wald: Tonnen von schäumendem Wasser stürzen über die Felskante in die Tiefe. Schweden ist für seine Wälder und Seen bekannt, aber die Wasserfälle gehören zu den eindrucksvollsten Ecken des Landes.
Ob du eine Wohnmobil-Rundreise planst, gern wanderst oder die Natur Lapplands fotografieren willst – dieser Guide führt dich zu den spektakulärsten Wasserfällen Schwedens. Neben den bekannten Highlights gibt es ein paar Geheimtipps abseits der Massen, dazu Anreise-Hinweise und die wichtigsten Verhaltensregeln.
Schwedens Wasserfälle im Überblick: Daten & Fakten
Zuerst die wichtigsten Eckdaten der bekanntesten Wasserfälle im Vergleich:
| Wasserfall | Region | Höhe (gesamt) | Besonderheit | Erreichbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| Tännforsen | Jämtland | 38 m (14 m Fallhöhe) | Größter Wasserfall Schwedens (Breite: 60 m) | Sehr leicht (barrierearm) |
| Njupeskär | Dalarna | 93 m (70 m freier Fall) | Einer der höchsten Wasserfälle Schwedens | Leicht (Wanderweg ca. 2 km) |
| Storforsen | Norrbotten | 82 m Gefälle | Mächtigste Stromschnelle Europas | Sehr leicht (Holzstege) |
| Ristafallet | Jämtland | 14 m | Bekannt aus „Ronja Räubertochter" | Sehr leicht (direkt am Campingplatz) |
| Silverfallet | Västra Götaland | Variiert | Stufenwasserfall im Laubwald | Leicht |
Die Top 5 Wasserfälle in Schweden, die du sehen musst
1. Tännforsen – der Größte in Jämtland
Nahe der Outdoor-Stadt Åre liegt der Tännforsen. Er ist nicht der höchste, aber nach Wassermenge der größte Wasserfall Schwedens. Auf 60 Metern Breite stürzt der Fluss Norderälven 38 Meter in die Tiefe.
- Erlebnis-Tipp: Im Winter gefriert der Fall zu einer riesigen Eiswand. Dann kannst du geführte Touren in die Eishöhlen darunter buchen.
- Anreise: Vom Parkplatz führt ein kurzer, gut ausgebauter Weg direkt zu mehreren Aussichtsplattformen.
2. Njupeskär – der Riese im Fulufjället-Nationalpark
Im Nationalpark Fulufjället (Dalarna) stürzt der Njupeskär 93 Meter in die Tiefe, davon 70 Meter im freien Fall. Die Kulisse aus altem Sandstein und tiefen Schluchten ist eindrucksvoll.
- Wander-Tipp: Der rund 4 Kilometer lange Rundweg Njupeskärsslingan führt durch urwaldähnliche Landschaft direkt zum Fuß des Wasserfalls.
- Achtung: Im Sommer ist es hier voll. Starte am besten früh vor 9 Uhr oder am späten Nachmittag.
3. Storforsen – die ungezähmte Stromschnelle im Norden
Der Storforsen im Norden (nahe Älvsbyn) ist streng genommen kein vertikaler Wasserfall, sondern die größte unregulierte Stromschnelle Europas. Im Schnitt fließen hier 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über ein Gefälle von 82 Metern. Das Getöse ist ohrenbetäubend, die Gischt weithin spürbar.
- Besonderheit: Das ganze Areal ist über barrierefreie Holzstege erschlossen, und direkt am wilden Wasser gibt es mehrere Grillplätze.
4. Ristafallet – auf den Spuren von Ronja Räubertochter
Nur wenige Kilometer östlich des Tännforsen liegt der Ristafallet. Eine bewaldete Insel teilt den Fluss in zwei parallele Fälle. Für Filmfans: Der Ristafallet war im Klassiker „Ronja Räubertochter" die Kulisse für den gefährlichen „Glupafall".
- Fototipp: Die Nordseite hat am Nachmittag das beste Licht für Langzeitbelichtungen.
5. Silverfallet – der Stufenwasserfall im Süden
Im Süden musst du nicht bis nach Lappland fahren. Der Silverfallet im Naturreservat Billingen (nahe Skövde) fällt über mehrere Kalksteinstufen mitten durch dichten Laubwald. Im Frühling, wenn die Anemonen blühen, wirkt der Ort wie ein Märchenwald.
Praktische Reisetipps für dein Outdoor-Abenteuer
Die beste Reisezeit
Wann sich ein Besuch lohnt, hängt davon ab, was du suchst:
- Mai bis Juni (Schneeschmelze): die beste Zeit für maximale Wassermassen und dramatische Fotos.
- Juli bis August (Sommer): gutes Wanderwetter, angenehme Temperaturen, aber teils weniger Wasser.
- Januar bis März (Winter): für Abenteurer. Viele Wasserfälle frieren ein und bilden bizarre Eisformationen.
Ausrüstung & Sicherheit
- Feste Schuhe: Die Wege am Wasser sind durch die Gischt oft dauerhaft nass und rutschig – rutschfeste Wanderschuhe sind Pflicht.
- Regen- und Mückenschutz: Die Gischt zieht weit ins Land. Eine wind- und wasserdichte Jacke schützt dich und deine Kamera. Im Sommer brauchst du im feuchten Wald außerdem einen starken Mückenschutz (z. B. mit DEET).
- Drohnen-Regeln: In vielen Nationalparks (etwa Fulufjället) gilt zum Schutz der Tierwelt ein Drohnenverbot.
Häufige Fehler beim Besuch schwedischer Wasserfälle
- Distanzen unterschätzen: Schweden ist riesig. Von Göteborg zum Njupeskär in Dalarna fährst du gut 6 bis 7 Stunden. Plane realistisch.
- Absperrungen ignorieren: Die feuchten Felsen sind extrem rutschig. Die Wege zu verlassen ist gefährlich und schädigt die empfindliche Vegetation.
- Müll liegen lassen: Das Jedermannsrecht (Allemansrätten) gibt dir viel Freiheit in der Natur. Im Gegenzug gilt: nicht stören, nichts zerstören. Nimm deinen Müll ausnahmslos wieder mit.
Häufige Fragen zu Wasserfälle in Schweden Die 10 spektakulärsten Naturwunder (FAQ)
Welcher ist der höchste Wasserfall in Schweden?
Der Njupeskär im Fulufjället-Nationalpark – 93 Meter Gesamthöhe, davon 70 Meter im freien Fall.
Welcher schwedische Wasserfall ist der größte?
Der Tännforsen in Jämtland – nach Wassermenge und Breite (60 Meter) der größte des Landes.
Kann man in den schwedischen Wasserfällen baden?
Direkt an den großen Fällen ist Baden wegen lebensgefährlicher Strömungen streng verboten. An kleineren, flacheren Stufenflüssen gibt es aber ausgewiesene Badestellen (z. B. am unteren Lauf des Silverfallet).
Welcher Wasserfall ist aus „Ronja Räubertochter" bekannt?
Der Ristafallet in Jämtland – im Astrid-Lindgren-Film die Kulisse für den „Glupafall".
Gibt es auch Wasserfälle in Südschweden?
Ja, der bekannteste ist der Silverfallet im Naturreservat Billingen nahe Skövde (Västergötland). Besonders im Frühjahr zur Schneeschmelze lohnt er sich.
Kostet der Eintritt zu den Wasserfällen etwas?
Nein. Dank des Allemansrätten (Jedermannsrecht) ist der Zugang zu den meisten Wasserfällen – auch in Nationalparks – kostenlos. Manchmal fällt nur eine kleine Parkgebühr an.
Sind die Wanderwege kinderwagentauglich?
Viele bekannte Wasserfälle wie Tännforsen und Storforsen haben gut ausgebaute, barrierefreie Holzstege, die mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahrbar sind. Der Weg zum Njupeskär ist teils steinig, aber ebenfalls gut ausgebaut.
Kann man die Wasserfälle auch im Winter besuchen?
Ja, und das ist ein tolles Erlebnis. Viele Fälle frieren teils oder ganz ein. Für Winterwanderungen solltest du Spikes (Grödel) für die Schuhe dabeihaben.
Fazit
Schwedens Wasserfälle sind Orte roher Naturkraft – und ideal zum Runterkommen. Wenn du eine Reise planst, gehören der Tännforsen im Westen und der Njupeskär in Dalarna auf die Liste. Verbinde den Besuch am besten mit einer längeren Wanderung im umliegenden Nationalpark und pack eine wetterfeste Jacke, robuste Schuhe und eine Thermoskanne Kaffee für die Fika ein – dann genießt du das Schauspiel in aller Ruhe.



