Neben Weihnachten ist Mittsommer (*Midsommar*) das mit Abstand wichtigste Fest in Schweden. Es wird traditionell an dem Freitag gefeiert, der zwischen dem 19. und 25. Juni liegt (dem Mittsommerabend). Das Fest ist tief in der skandinavischen Seele verwurzelt, und wer einmal erlebt hat, wie ein ganzes Land geschlossen aufs Land zieht, um im Kreis von Familie und Freunden zu singen, zu tanzen und zu essen, spürt die magische Bedeutung dieses Tages.
Doch warum hat dieses Fest einen so gigantischen Stellenwert im Norden? Die Gründe dafür sind eine Mischung aus Geografie, Naturverbundenheit, jahrhundertealter Geschichte und purer Lebensfreude.
Die Feier des Lichts nach dem dunklen Winter
Der Hauptgrund für Mittsommer ist astronomischer Natur: Es ist die Feier der **Sommersonnenwende** – des längsten Tages und der kürzesten Nacht des Jahres.
Um zu verstehen, warum das Licht in Schweden so exzessiv gefeiert wird, muss man den schwedischen Winter bedenken. Monatelang herrscht im Norden klirrende Kälte, die Tage sind extrem kurz, und die Sonne lässt sich oft tagelang kaum blicken. Wenn dann im Juni der Sommer explodiert, die Natur in sattem Grün steht und die Sonne in den sogenannten "Weißen Nächten" (im Norden Lapplands sogar als Mitternachtssonne) überhaupt nicht mehr untergeht, bricht sich bei den Schweden eine unbändige Erleichterung Bahn. Mittsommer ist der symbolische Höhepunkt dieser warmen, hellen Zeit, in der man die Dunkelheit des Winters endgültig hinter sich lässt.
Der heidnische Ursprung und der Zauber der Fruchtbarkeit
Ursprünglich war Mittsommer ein vorchristliches, heidnisches Fest der germanischen und nordischen Völker. In einer Zeit, in der die Menschen vollständig von der Natur und ihren Erntespielen abhängig waren, feierte man zur Sommersonnenwende die Fruchtbarkeit der Erde.
Aus dieser Zeit stammen viele der magischen Bräuche, die bis heute überlebt haben:
* **Der Midsommarstång (Die Mittsommerstange):** Das Herzstück jedes Festplatzes ist ein riesiger, mit Birkenzweigen und frischen Wiesenblumen geschmückter Pfahl (oft auch Maibaum genannt, abgeleitet vom schwedischen Wort *maja* für "mit Blumen schmücken"). Er gilt historisch als Symbol für Fruchtbarkeit und den Baum des Lebens. * **Die sieben Blumen unter dem Kissen:** Ein wunderschöner, romantischer Mythos besagt, dass unverheiratete Mädchen in der Mittsommernacht schweigend sieben verschiedene Sorten Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken und unter ihr Kopfkissen legen müssen. In dieser magischen Nacht blickt die Zukunft durch den Schlaf: Der Mann, von dem das Mädchen dann träumt, wird ihr zukünftiger Ehemann. * **Der heilende Blumenkranz:** Auch der traditionelle Blumenkranz (*midsommarkrans*), den Frauen, Männer und Kinder auf dem Kopf tragen, steht für Wiedergeburt und die Kraft der Natur. Früher trocknete man diese Kränze, um die getrockneten Blüten im Winter ins Badewasser zu geben – das sollte die Familie gesund durch die kalte Jahreszeit bringen.
Buche jetzt und zahle später bei Booking.com!Die christliche Umdeutung: Der Johannistag
Als christliche Missionare im Mittelalter nach Skandinavien kamen, versuchten sie, die tief verwurzelten, heidnischen Sonnenwendrituale zu verbieten. Da die Schweden jedoch unter keinen Umständen auf ihr geliebtes Fest verzichten wollten, wendete die Kirche eine bewährte Taktik an: Sie deutete das Fest einfach christlich um.
Der Feiertag wurde auf den **24. Juni** gelegt, den Gedenktag an die Geburt von Johannes dem Täufer (daher auch Johannisfest oder *Sankt Hans* in Dänemark und Norwegen genannt). Da Johannes genau ein halbes Jahr vor Jesus Christus (Weihnachten) geboren wurde, passte das Datum perfekt als kalendarischer Gegenpol. Während sich in anderen europäischen Ländern vor allem das Entzünden von Johannisfeuern durchsetzte, blieben in Schweden die weltlichen Bräuche wie das Tanzen um den geschmückten Baum und das Kränzebinden dominant. Heute ist das Fest in Schweden fast vollständig von seiner religiösen Bedeutung entkoppelt und ein reines Kultur- und Familienfest.
Ein Fest der Gemeinschaft, der Musik und des Genusses
Mittsommer ist der Inbegriff des schwedischen Lebensgefühls. An diesem Wochenende sind die Städte wie leergefegt, weil es die Menschen scharenweise in ihre Sommerhäuser (*Stugor*) ans Meer oder an die Seen – besonders in traditionsreiche Regionen wie Dalarna oder Småland – zieht.
Es geht darum, Zeit miteinander zu verbringen, draußen im Garten oder auf der Wiese zu sitzen und gemeinsam zu schlemmen. Eine klassische Mittsommertafel ist fester Kult: Es gibt die ersten schwedischen Frühkartoffeln mit frischem Dill, Sauerrahm, rote Zwiebeln, Knäckebrot und vor allem in allen Variationen eingelegten Hering (*Sill*). Zum Nachtisch folgen traditionell frische schwedische Erdbeeren mit Schlagsahne.
Begleitet wird das Ganze von ausgelassener Musik. Jung und Alt fassen sich an den Händen und tanzen um die Mittsommerstange, wobei Klassiker wie *Små grodorna* (Die kleinen Frösche) gesungen werden, bei denen alle wie Frösche hüpfend über die Wiese springen. Und natürlich darf auch der eine oder andere traditionelle Kräuterschnaps (*Akvavit*) nicht fehlen, der immer von lautstarken, schwedischen Schnapsliedern (*Snapsvisor*) wie *Helan går* angekündigt wird.
Warum feiern Schweden also Mittsommer? Weil dieses Fest alles vereint, was das Leben im Norden lebenswert macht: Die tiefe Dankbarkeit für die Sonne und das Licht, der tiefe Respekt vor der blühenden Natur, die Liebe zur Familie und zu alten Traditionen sowie die Kunst, den Moment einfach unbeschwert und voller skandinavischer Gelassenheit zu genießen. Es ist der Tag, an dem Schweden seine Seele am hellsten strahlen lässt.
Häufige Fragen zu Warum feiern Schweden Mittsommer? (FAQ)
Was ist die Sommersonnenwende?
Die Sommersonnenwende ist der längste Tag des Jahres, an dem Schweden Mittsommer feiert.
Welche Traditionen gibt es bei Mittsommer?
Traditionell wird eine große Stange mit Blumen geschmückt und um sie herum getanzt.
Wann genau wird Mittsommer gefeiert?
Mittsommer wird traditionell an dem Freitag zwischen dem 19. und 25. Juni gefeiert.
Fazit
Die schwedische Seele in ihrer reinsten Form