Wer an die nordschwedische Provinz Jämtland denkt, hat meist dichte Nadelwälder, klare Seen, Elche und unberührte Wildnis vor Augen. Doch mitten in dieser skandinavischen Idylle ragt plötzlich eine goldene, filigrane Pagodenspitze in den Himmel. Der Thailändische Pavillon (schwedisch: Thailändska Paviljongen) in der kleinen Ortschaft Utanede ist ein architektonisches und historisches Kuriosum.
Egal, ob Sie eine Rundreise durch Schweden planen, sich für asiatische Kultur interessieren oder einfach ein außergewöhnliches Fotomotiv suchen – dieser königliche Pavillon in Ragunda ist ein faszinierendes Ausflugsziel. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die kuriose Geschichte, die Anreise, Öffnungszeiten und wertvolle Insider-Tipps für Ihren Besuch.
Die faszinierende Geschichte: Wie Thailand nach Jämtland kam
Um zu verstehen, warum mitten in der schwedischen Provinz ein thailändisches Heiligtum steht, muss man ins Jahr 1897 zurückreisen.
Der königliche Besuch von Rama V.
König Chulalongkorn von Siam (heute Thailand), auch bekannt als Rama V., bereiste im Sommer 1897 Europa. Sein Ziel in Schweden war die Internationale Kunst- und Industrieausstellung in Stockholm. Doch der schwedische König Oskar II. wollte seinem königlichen Gast mehr als nur die Hauptstadt zeigen. Da König Chulalongkorn großes Interesse an der schwedischen Sägewerksindustrie hatte, reiste die Delegation per Schiff und Bahn in den Norden.
Am 19. Juli 1897 erreichte der König den kleinen Ort Utanede am Fluss Indalsälven. Die staunenden Dorfbewohner bereiteten dem Monarchen einen feierlichen Empfang. Der König war von der Gastfreundschaft und der Landschaft so angetan, dass dieser Besuch tiefe Spuren hinterließ. Eine staubige Schotterstraße, auf der die königliche Kutsche damals fuhr, wurde später zu Ehren des Gastes Kung Chulalongkorns Väg (König-Chulalongkorn-Weg) genannt.
Vom Straßen-Namen zum Prachtbau
Genau 100 Jahre später, im Jahr 1997, wurde der Grundstein für das heutige Monument gelegt. Ein thailändischer Tanzverein hatte Jahre zuvor die Region besucht und war von der historischen Verbindung begeistert. Durch Spenden aus Thailand und Schweden sowie die Unterstützung der thailändischen Regierung wurde ein prachtvoller Pavillon im traditionellen siamesischen Stil errichtet. Am 19. Juli 1999 wurde die Anlage feierlich eingeweiht.
Architektur und Highlights der Anlage
Der Pavillon ist nicht einfach nur ein Nachbau – er ist ein echtes Meisterwerk thailändischer Handwerkskunst, das strengen architektonischen Traditionen folgt.
- Die Maße: Der Pavillon hat eine Grundfläche von 10 × 10 Metern und ist insgesamt 26 Meter hoch (inklusive der goldenen Spitze).
- Die Details: Die Ornamente, Schnitzereien und die Vergoldungen wurden von thailändischen Kunsthandwerkern gefertigt. Die tragenden Säulen bestehen aus edlem Teakholz.
- Die Königsstatue: Im Inneren des Pavillons befindet sich eine lebensgroße, bronzene Statue von König Chulalongkorn. Hier legen Besucher und gläubige Buddhisten oft Blumen, Räucherstäbchen oder thailändische Münzen als Ehrerbietung nieder.
Der thailändische Garten
Umgeben ist das Bauwerk von einer wunderschön angelegten Gartenanlage, die skandinavische Natur mit asiatischer Gartenkunst verbindet. Ein kleiner Teich, Brücken und traditionelle thailändische Pavillons (Salas) laden zum Verweilen und Meditieren ein.
Buche jetzt und zahle später bei Booking.com!Praktische Informationen für Ihren Besuch
Anreise: So finden Sie den Pavillon
Der Thailändische Pavillon liegt in Utanede, etwa 12 Kilometer südöstlich von Bispgården in der Gemeinde Ragunda.
| Von Stadt | Distanz | Ungefähre Fahrtzeit |
|---|---|---|
| Östersund | ca. 120 km | 1 Std. 30 Min. (über die Route 87) |
| Sundsvall | ca. 95 km | 1 Std. 15 Min. (über die Route 86) |
| Sollefteå | ca. 60 km | 50 Min. (über die Route 87) |
Tipp für Autofahrer: Die Strecke entlang des Flusses Indalsälven ist landschaftlich äußerst reizvoll. Planen Sie etwas Zeit für Fotostopps ein. Kostenfreie Parkplätze sind direkt an der Anlage vorhanden.
Öffnungszeiten und Preise
- Saison: Da es sich um eine Open-Air-Anlage im Norden Schwedens handelt, ist der Pavillon primär in den Sommermonaten (Anfang Juni bis Ende August/Anfang September) voll zugänglich.
- Eintritt: Der Zugang zum Gelände und dem umgebenden Garten ist oft frei zugänglich, für den Eintritt in das Innere des Pavillons und das angeschlossene Museum wird jedoch eine kleine Gebühr (ca. 50–100 SEK, umgerechnet etwa 5–10 €) erhoben, die dem Erhalt der Anlage zugutekommt.
Vor- und Nachteile eines Besuchs
Bevor Sie Ihre Route planen, hilft Ihnen diese Übersicht bei der Entscheidung:
Vorteile
- Einzigartigkeit: Ein weltweit einmaliges Fotomotiv (Tropisches Flair trifft auf nordschwedische Nadelwälder).
- Kulturelle Tiefe: Spannende historische Verbindung zwischen Schweden und dem ehemaligen Siam.
- Ruheoase: Perfekt für einen entspannten Zwischenstopp abseits der typischen Touristenströme.
Nachteile
- Abgelegene Lage: Liegt nicht direkt an den großen Autobahnen (E4 oder E45) und erfordert einen Umweg.
- Saisonalität: Im schwedischen Winter ist die Anlage schneebedeckt und das Museum sowie das Café sind geschlossen.
Häufige Fehler bei der Planung (und wie man sie vermeidet)
- Den falschen Zeitraum wählen: Viele Touristen reisen im Mai oder September an und stehen vor verschlossenen Türen des Hauptpavillons. Nutzen Sie die Kernmonate Juni, Juli und August.
- Zu wenig Zeit einplanen: Der Pavillon selbst ist kompakt, aber die Magie liegt im Detail. Planen Sie mindestens 1 bis 1,5 Stunden ein, um den Garten zu genießen und im angeschlossenen thailändischen Café einen Snack zu nehmen.
- Kleiderordnung vergessen: Auch wenn es in Schweden locker zugeht: Der Pavillon ist ein Ort des Respekts vor einem König und hat für thailändische Besucher eine spirituelle Bedeutung. Angemessene Kleidung (Schultern und Knie bedeckt) beim Betreten des Pavillon-Inneren wird geschätzt.
Häufige Fragen zu Thailändischer Pavillon (FAQ)
Warum steht in Jämtland ein thailändischer Pavillon?
Er wurde zum Gedenken an den Besuch des thailändischen Königs Chulalongkorn (Rama V.) im Jahr 1897 in Utanede errichtet. Die Anlage wurde 1999 als Zeichen der Freundschaft zwischen Schweden und Thailand eingeweiht.
Wer hat den Pavillon finanziert?
Der Bau wurde durch Spendenkampagnen in Thailand und Schweden sowie durch die finanzielle Unterstützung der thailändischen Regierung realisiert.
Kann man den Pavillon auch im Winter besuchen?
Das Außengelände kann theoretisch betreten werden, allerdings ist der Pavillon im Winter geschlossen, oft tief verschneit und nicht beleuchtet. Die beste Besuchszeit ist von Juni bis August.
Gibt es vor Ort thailändisches Essen?
Ja, während der Sommersaison gibt es meist ein angeschlossenes Café/Restaurant, das authentische thailändische Snacks, Gerichte und Erfrischungen anbietet.
Kostet der Thailändische Pavillon Eintritt?
Der Zutritt zum Parkgelände ist oft kostenlos. Für die Besichtigung des Pavillons von innen und der Ausstellungen wird eine moderate Eintrittsgebühr verlangt.
Wie weit ist der Pavillon von Östersund entfernt?
Die Entfernung beträgt etwa 120 Kilometer. Mit dem Auto benötigt man über die Route 87 ungefähr 1,5 Stunden.
Ist die Sehenswürdigkeit für Kinder geeignet?
Ja, der weitläufige Garten und die bunten, goldenen Gebäude sind auch für Kinder spannend. Es ist jedoch kein Spielplatz, sondern ein Kulturdenkmal.
Welche Sehenswürdigkeiten liegen in der Nähe?
Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich Döda Fallet, ein historischer Naturkatastrophen-Ort und heute ein beeindruckendes Freilichtmuseum, das sich perfekt mit dem Pavillon kombinieren lässt.
Fazit
Der Thailändische Pavillon in Jämtland ist mehr als nur eine kuriose Sehenswürdigkeit – er ist ein Symbol für Völkerverständigung und ein faszinierendes Architekturdenkmal mitten in der Wildnis Schwedens.
Unsere Empfehlung: Wenn Sie eine Rundreise durch Mittelschweden machen oder von Sundsvall Richtung Östersund reisen, planen Sie die Route bewusst über die Straße 86/87. Kombinieren Sie den Besuch mit einer Wanderung im nahegelegenen Döda Fallet (dem „toten Wasserfall“), einer weiteren spektakulären geologischen Attraktion in Ragunda, die nur 15 Minuten entfernt liegt.