Wer an Südschweden denkt, hat oft endlose Sandstrände, rote Holzhäuser und tiefe Wälder vor Augen. Doch die Region Schonen (schwedisch: Skåne) birgt ein monumentales historisches Erbe: schonische Burgen und Festungsanlagen, die von einer dramatischen, jahrhundertelangen Geschichte zeugen. Als einstiges Zankapfel-Gebiet zwischen den Königreichen Dänemark und Schweden wurde die Region mit Wehranlagen gespickt, die heute zu den faszinierendsten Kulturgütern Skandinaviens zählen.
Egal, ob Sie eine Rundreise planen, sich für mittelalterliche Architektur begeistern oder die besten Fotospots für Ihren Urlaub suchen – dieser Leitfaden führt Sie zu den architektonischen Highlights Schonens und liefert wertvolle Insider-Tipps für Ihren Aufenthalt.
Die historische Bedeutung der Burgen in Schonen
Um die Architektur schonischer Burgen zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte. Bis zum Frieden von Roskilde im Jahr 1658 gehörte Schonen fest zur dänischen Krone. Es war das reiche Kernland Dänemarks. Entsprechend hoch war die Dichte an Adelssitzen und militärischen Stützpunkten.
Die Festungen erfüllten dabei drei Hauptaufgaben:
- Verteidigung: Schutz vor schwedischen Invasionen und Sicherung der Ostsee-Handelswege.
- Repräsentation: Demonstration von Macht und Reichtum des dänischen Adels.
- Verwaltung: Eintreiben von Steuern und Zöllen (wie dem berühmten Öresundzoll).
Nachdem Schonen schwedisch wurde, bauten die neuen Herrscher viele der dänischen Wehranlagen um, um ihre Macht zu festigen oder die Festungen an moderne Artillerie anzupassen.
Die Top 4 der schonischen Burgen, die Sie sehen müssen
Schonen beheimatet Dutzende von Schlössern und Herrenhäusern, doch einige ragen als echte historische Festungen heraus. Hier sind die vier wichtigsten Anlagen im Detail:
1. Glimmingehus: Die besterhaltene mittelalterliche Burg Skandinaviens
Im Südosten Schonens, eingebettet in die sanfte Landschaft von Österlen, liegt Glimmingehus. Sie gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Burg in ganz Skandinavien.
- Baujahr: Begonnen 1499 vom dänischen Ritter Jens Holgersen Ulfstand.
- Architektur: Ein mächtiger, kompakter Wohnturm (Burgtyp: Fast hus), konzipiert für den reinen Verteidigungsfall.
- Highlights: Clevere Verteidigungsmechanismen wie Pechnasen, Fallgruben und ausgeklügelte Belüftungskanäle für den Pulverdampf von Musketen.
- Erlebnis vor Ort: Im Sommer erwecken Ritterspiele, Märkte und Geisterführungen die düsteren Mauern zum Leben.
2. Citadellet in Landskrona: Die perfekte Festungsstruktur
Direkt am Öresund liegt die Zitadelle von Landskrona, eine der am besten erhaltenen Wasserburgen Europas.
- Baujahr: Ab 1549 im Auftrag des dänischen Königs Christian III. errichtet.
- Architektur: Ein beeindruckendes System aus doppelten Wassergräben, mächtigen Wällen und Bastionen.
- Besonderheit: Im 19. Jahrhundert diente die Anlage als Gefängnis für Frauen. Heute ist die Insel um die Zitadelle für ihre idyllischen Kleingärten (Schwedens älteste Schrebergartenkolonie) bekannt.
3. Malmöhus: Das älteste erhaltene Renaissanceschloss der Nordischen Länder
Mitten in der modernen Metropole Malmö liegt das geschichtsträchtige Schloss Malmöhus.
- Geschichte: Ursprünglich eine Kastellburg aus dem Jahr 1434, im 16. Jahrhundert zum prachtvollen Renaissanceschloss ausgebaut.
- Funktion: Hier wurden Münzen geprägt, dänische Könige feierten Feste, und der Earl of Bothwell (Ehemann von Maria Stuart) war hier inhaftiert.
- Heute: Die Burg beherbergt das Kunstmuseum von Malmö sowie das Naturhistorische Museum – perfekt für einen Schlechtwettertag.
4. Bäckaskog Kloster: Vom Wehrkloster zum Königssitz
Nordöstlich von Kristianstad liegt Bäckaskog, idyllisch auf einer Landzunge zwischen zwei Seen.
- Ursprung: Im 13. Jahrhundert als Prämonstratenserkloster gegründet, nach der Reformation zur Festung und später zum königlichen Landsitz umgebaut.
- Atmosphäre: Eine faszinierende Mischung aus sakraler Ruhe, wehrhafter Architektur und königlichem Prunk. Karl XV. verbrachte hier regelmäßig seine Sommer.
Schonische Burgen im direkten Vergleich
Damit Sie Ihre Route optimal planen können, finden Sie hier die wichtigsten Merkmale der Top-Anlagen auf einen Blick:
| Burg / Festung | Region in Schonen | Primärer Baustil | Hauptattraktion | Ideal für... |
|---|---|---|---|---|
| Glimmingehus | Österlen (Südost) | Spätgotik / Mittelalter | Besterhaltener Wohnturm | Historiker & Familien |
| Citadellet | Westküste | Renaissance-Festung | Doppelter Wassergraben, Wälle | Spaziergänge & Fotografie |
| Malmöhus | Malmö (West) | Renaissance / Festungsbau | Schlossmuseen & Aquarien | Kulturinteressierte bei Regen |
| Bäckaskog | Nordost | Klostergotik / Empire | Schlosspark & Historisches Hotel | Genießer & Romantiker |
Praktische Tipps für Ihre Burgen-Tour durch Schonen
Damit Ihr Ausflug zu den schonischen Burgen ein voller Erfolg wird, sollten Sie folgende Aspekte beachten:
- Die beste Reisezeit: Viele Burgen öffnen ihre Innenräume und Museen nur in der Hauptsaison (Anfang Juni bis Ende August) täglich. Die Außenanlagen und Parks sind jedoch meist ganzjährig frei zugänglich.
- Anreise mit dem Auto vs. ÖPNV: Während Malmöhus und die Zitadelle Landskrona perfekt mit den Zügen von Skånetrafiken erreichbar sind, erfordern abgelegene Juwelen wie Glimmingehus ein Auto oder eine gut geplante Fahrradtour.
- Kombination mit Natur: Verbinden Sie den Besuch von Glimmingehus mit einer Wanderung im Nationalpark Stenshuvud oder verbinden Sie die Zitadelle Landskrona mit einer Fährüberfahrt zur idyllischen Insel Ven.
Häufige Fehler bei der Planung (und wie Sie sie vermeiden)
- Montags-Schließungen ignorieren: Viele staatliche Museen in den Burgen haben montags geschlossen. Prüfen Sie die Webseiten vorab.
- Unterschätzung der Strecken: Schonen wirkt auf der Karte klein, doch die Fahrt von der Westküste (Landskrona) an die Ostküste (Glimmingehus) dauert gut 1,5 Stunden. Planen Sie maximal zwei große Burgen pro Tag ein.
- Bargeld mitführen: Schweden ist nahezu bargeldlos. Parkgebühren und Eintrittskarten werden fast ausschließlich per Kreditkarte oder über Apps (wie EasyPark) bezahlt.
Häufige Fragen zu Schonische Burgen (FAQ)
Welche ist die älteste Burg in Schonen?
Die Burg Glimmingehus (Baubeginn 1499) gilt als die älteste und am besten erhaltene mittelalterliche Burg in Schonen und ganz Skandinavien, die in ihrer ursprünglichen Struktur fast komplett überdauert hat.
Kann man in den schonischen Burgen übernachten?
Ja, in einigen historischen Anlagen ist das möglich. Ein herausragendes Beispiel ist das Schloss Bäckaskog (Bäckaskog Kloster), das heute als Hotel und Restaurant genutzt wird. Auch auf vielen anderen Herrenhäusern in Schonen kann man herrschaftlich nächtigen.
Sind die Burgen in Schonen kinderfreundlich?
Absolut. Besonders Glimmingehus bietet im Sommer spezielle Kinderführungen, Schatzsuchen und mittelalterliche Spiele an. Das Schloss Malmöhus punktet bei Familien zudem mit dem integrierten Naturkundemuseum und einem großen Aquarium.
Wie viele Burgen und Schlösser gibt es in Schonen?
In Schonen gibt es weit über 150 Schlösser, Burgen und herrschaftliche Gutshöfe. Diese enorme Dichte ist auf die fruchtbaren Böden und die strategische Bedeutung der Region für den dänischen und schwedischen Adel zurückzuführen.
Kostet der Besuch der Festungsanlagen Eintritt?
Das Betreten der Außenbereiche, Parks und Wallanlagen ist bei den meisten Burgen (wie der Zitadelle Landskrona oder um Malmöhus) komplett kostenlos. Für die Innenräume, Ausstellungen und geführte Touren wird eine Eintrittsgebühr fällig.
Welche schonische Burg hat die besten Geistergeschichten?
Glimmingehus ist berühmt für seine Spukgeschichten. Es gibt zahlreiche Legenden über den Erbauer Jens Holgersen Ulfstand sowie Berichte über eine "Weiße Dame" und weinende Mauern, die bei abendlichen Geisterführungen erzählt werden.
Kann man die Burgen barrierefrei besichtigen?
Moderne Anlagen wie Malmöhus sind weitgehend barrierefrei und mit Aufzügen ausgestattet. Bei mittelalterlichen Wehrburgen wie Glimmingehus ist die Barrierefreiheit aufgrund von engen Wendeltreppen, hohen Türschwellen und unebenen Kopfsteinpflastern im Innenbereich stark eingeschränkt.
Warum sehen viele Burgen in Schonen eher dänisch als schwedisch aus?
Schonen gehörte bis zum Jahr 1658 zu Dänemark. Die meisten bedeutenden Burgen wurden von dänischen Königen und Adelsfamilien im Stil der dänischen Gotik und Renaissance erbaut. Erst nach der schwedischen Eroberung wurden einige Festungen architektonisch angepasst.
Fazit
Die schonischen Burgen bieten weit mehr als nur alte Mauern – sie sind steingewordene Zeugen eines jahrhundertelangen Kulturkampfes im Norden. Wenn Sie nur Zeit für ein einziges historisches Highlight haben, wählen Sie Glimmingehus für das ultimative Mittelalter-Erlebnis oder die Citadellet Landskrona, wenn Sie beeindruckende Festungsarchitektur mit maritimem Flair verbinden möchten.
Unsere Empfehlung: Leihen Sie sich ein Auto, packen Sie ein schwedisches Picknick (Fika) ein und widmen Sie zwei Tage einer kombinierten historischen Entdeckungstour entlang der Küsten Schonens.



