Wer an Schweden denkt, hat meist endlose Wälder, rote Holzhäuser und ruhige Seen vor Augen. Doch in der Provinz Östergötland, südlich von Linköping nahe dem Ort Rimforsa, verbirgt sich ein faszinierendes geologisches Phänomen: das Naturschutzgebiet Trollegater. Hier wartet kein zahmer Spazierweg, sondern ein echtes Abenteuer in einem der größten Primärhöhlensysteme des Landes.
Egal, ob du als Familie mit unternehmungslustigen Kindern anreist oder als Outdoor-Enthusiast die geologischen Spuren der letzten Eiszeit hautnah erleben willst – Trollegater bietet eine einzigartige Kulisse. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du für die Vorbereitung, Ausrüstung und den sicheren Besuch der geheimnisvollen "Troll-Tore" wissen musst.
Was ist Trollegater? Herkunft und Geologie einfach erklärt
Der Name „Trollegater“ bedeutet übersetzt so viel wie „Troll-Tore“. Der schwedischen Folklore nach bildeten die tiefen Felsspalten die Eingänge zu den Behausungen von Trollen, die sich hier vor der Christianisierung zurückgezogen haben sollen.
Aus geologischer Sicht ist die Entstehung nicht minder faszinierend. Es handelt sich hierbei um sogenannte Spaltenhöhlen (schwedisch: urbergsgrottor).
- Die Entstehung: Als sich das Inlandeis am Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.000 Jahren zurückzog, hob sich die Erdkruste massiv an.
- Der Prozess: Durch diese enormen Spannungen und nachfolgende Erdbeben riss das Urgestein auf.
- Das Ergebnis: Durch Frostsprengung (gefrierendes Wasser, das den Fels weiter auseinandertrieb) entstand ein labyrinthartiges System aus tiefen Klüften, Gängen und Hallen im Granit.
Insgesamt gibt es im Naturschutzgebiet rund ein Dutzend Höhlen. Die längste von ihnen, die Trolle-Grottan (Trollhöhle), misst eine Gesamtlänge von knapp 140 Metern.
Die wichtigsten Höhlen und Wanderwege im Überblick
Das Naturschutzgebiet ist relativ kompakt, aber dicht an Highlights. Ein gut markierter Rundweg führt dich durch den dichten Nadelwald direkt zu den markantesten Felsformationen.
Die wichtigsten Höhlen vor Ort
| Höhle | Länge / Charakteristik | Eignung |
|---|---|---|
| Huvudgrottan (Abendmahls- / Haupthöhle) | Ca. 40 Meter; relativ gut zugänglich, hohe Decken im vorderen Bereich. | Einsteiger & Familien |
| Trolle-Grottan (Trollhöhle) | Ca. 140 Meter; verwinkelt, teils sehr enge Kriechpassagen. | Erfahrene / Abenteurer |
| Gatugrottan (Straßenhöhle) | Kurzer, schmaler Felspfad, der wie eine Gasse wirkt. | Jederzeit begehbar |
Der Wanderweg
Der eigentliche Rundweg um die Höhlen ist nur etwa ein bis zwei Kilometer lang. Allerdings bewegt man sich in alpin wirkendem Gelände. Wurzeln, rutschige Moosflächen und steile Felskanten erfordern volle Aufmerksamkeit. Entlang des Weges gibt es liebevoll eingerichtete Rastplätze mit Grillmöglichkeiten (Grillplatser).
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Ein häufiger Fehler bei der Planung: Viele Besucher unterschätzen die Bedingungen in den Spalten. Selbst im Hochsommer herrschen in den tiefen Felsgängen oft feuchtkühle Temperaturen um die 6 bis 10 Grad Celsius. Zudem ist es im Inneren der Höhlen absolut stockfinster.
Wichtiger Hinweis: Das Begehen der Höhlen geschieht komplett auf eigene Gefahr. Es gibt vor Ort keine Führer, keine künstliche Beleuchtung und keine Absperrungen in den Gängen.
Für ein sicheres Erlebnis solltest du folgende Dinge einpacken:
- Festes Schuhwerk: Wanderschuhe oder Trailschuhe mit grobem Profil sind Pflicht. Sneaker rutschen auf dem feuchten Granit sofort aus.
- Zuverlässige Lichtquellen: Mindestens eine leistungsstarke Stirnlampe (damit die Hände zum Klettern frei sind) sowie eine Ersatztaschenlampe pro Person. Das Smartphone-Licht reicht nicht aus und stürzt beim Klettern schnell ab.
- Robuste Kleidung: Ziehe Sachen an, die schmutzig werden dürfen. Beim Kriechen durch die Engstellen wirst du unweigerlich Kontakt mit feuchter Erde, Moos und Stein haben. Eine strapazierfähige Outdoorhose und eine leichte Jacke sind ideal.
- Schneid- oder Kletterhandschuhe: Einfache Garten- oder Montagehandschuhe schützen deine Hände vor scharfen Felskanten.
- Fahrradhelm (optional für Kinder): In den niedrigen Gängen stößt man sich schnell den Kopf. Ein einfacher Helm bietet hier perfekten Schutz.
Anreise und Infrastruktur: So planst du deinen Besuch
Trollegater liegt in der Gemeinde Kinda, etwa 7 Kilometer westlich von Rimforsa.
- Mit dem Auto: Von Linköping aus folgst du der Reichsstraße 34 nach Süden Richtung Kisa/Vimmerby. Bei Rimforsa biegst du ab Richtung Ulrika und folgst der Beschilderung „Trollegater“. Am Ende einer Schotterstraße befindet sich ein kostenloser Wanderparkplatz.
- Infrastruktur vor Ort: Am Parkplatz gibt es Trockentoiletten (Plumpsklos) sowie eine Infotafel des Länsstyrelsen Östergötland mit Kartenmaterial. Der Eintritt in das Naturschutzgebiet ist komplett kostenfrei.
Häufige Fehler beim Besuch – und wie du sie vermeidest
- Alleine in tiefe Spalten klettern: Gehe niemals allein in die hinteren Bereiche der Trolle-Grottan. Solltest du steckenbleiben oder umknicken, gibt es in den Höhlen keinerlei Mobilfunkempfang.
- Überschätzung der eigenen Fitness: Einige Gänge erfordern echtes Flachkriechen auf dem Bauch (Robben). Wenn du zu Platzangst (Claustrophobie) neigst, bleibe lieber in den offenen Felsspalten wie der Gatugrottan.
- Hunde unangeleint lassen: Im Naturschutzgebiet herrscht strikte Leinenpflicht. Die tiefen, oft von Moos verdeckten Spalten stellen für freilaufende Hunde eine lebensgefährliche Absturzstiege dar.
Häufige Fragen zu Naturschutzgebiet Trollegater (FAQ)
Wie lang sind die Höhlen in Trollegater?
Das gesamte System besteht aus mehreren Höhlen. Die längste Einzelhöhle ist die Trolle-Grottan mit rund 140 Metern Ganglänge. Die Huvudgrottan misst etwa 40 Meter.
Kostet der Eintritt zum Naturschutzgebiet Trollegater Eintritt?
Nein. Der Zugang zum Naturschutzgebiet sowie das Parken auf dem offiziellen Parkplatz sind absolut kostenlos.
Ist Trollegater für Kinder geeignet?
Ja, absolut. Kinder ab ca. 6 Jahren haben meist großen Spaß am Kraxeln. Allerdings sollten Eltern ihre Kinder durchgehend beaufsichtigen, da die Spalten tief sind. Ein Fahrradhelm schützt vor Beulen.
Kann man die Höhlen ganzjährig besuchen?
Theoretisch ja. Die beste Zeit ist jedoch von Mai bis Oktober. Im Winter und Frühjahr können Eis, Schnee und Schmelzwasser die Höhlengänge extrem rutschig und teilweise unpassierbar machen.
Gibt es geführte Touren in Trollegater?
Regulär gibt es keine festen Guides vor Ort. Das Gebiet wird individuell erkundet. Gelegentlich bieten lokale Outdoor-Veranstalter in der Hauptsaison Touren an, diese müssen jedoch vorab gebucht werden.
Sind Taschenlampen vor Ort ausleihbar?
Nein, es gibt keinerlei Verleihstationen oder Shops im Naturschutzgebiet. Du musst deine gesamte Ausrüstung (Licht, Verpflegung, Erste-Hilfe-Set) selbst mitbringen.
Gibt es in den Höhlen Mobilfunkempfang?
Nein. Sobald du tiefer in die Granitspalten einsteigst, bricht das Mobilfunksignal komplett ab. Informiere im Zweifel jemanden vorab, wenn du planst, die tiefen Systeme zu erkunden.
Darf man im Naturschutzgebiet zelten oder grillen?
Das Grillen ist ausschließlich an den dafür ausgewiesenen, fest installierten Grillplätzen erlaubt (sofern kein akutes Brandrisiko/Muckenverbot herrscht). Das Zelten unterliegt den spezifischen Schutzbestimmungen des Reservats – meist ist es nur für eine Nacht abseits der Wege gestattet, informiere dich dazu auf der Infotafel vor Ort.
Fazit
Das Naturschutzgebiet Trollegater ist ein absoluter Geheimtipp für Naturbegeisterte, die abseits der klassischen Touristenpfade das raue, urzeitliche Schweden erleben wollen. Es verbindet eine leichte Wanderung durch malerischen Urwald mit dem Nervenkitzel echter Höhlenforschung. Wer gut vorbereitet, trittsicher und mit gutem Licht ausgestattet ist, wird hier ein unvergessliches Outdoor-Abenteuer im Herzen von Östergötland erleben.